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Ausstattung des Berufsbildungszentrums (Vocational Training Center) Muhororo

16.12.2014

Das Problem



Im Sektor Murambi und in allen angrenzenden Sektoren gibt es kein Berufsschulzentrum. Jugendliche finden nach der Schulzeit vor Ort kaum Möglichkeiten, sich (mit oder ohne Abschluss) weiterzubilden. Mit einer beruflichen Grundausbildung eröffnet sich diese Chance. Die Tätigkeit in der Landwirtschaft ist nur sehr begrenzt möglich, weil die übernutzten, sehr kleinen Anbauflächen für die Bevölkerung nicht mehr ausreichen. In der Region gibt es neben der Subsistenzwirtschaft kaum andere zusätzliche Einnahmequellen z.B. aus dem Handwerk, der Sektor ist stark entwicklungsverzögert.

Der Kontext

In Muhororo liegt das ehemalige Gemeindezentrum von Bwakira. Hier fanden im Krieg 1994 Massaker statt wobei mehrere Hundert Personen dort getötet wurden.Später diente das Gebäude mehrere Jahre als Gefängnis. Nach der Kommunalreform mit einem neuen Verwaltungssitz an einem anderen Ort  wurde das Gebäude nicht wieder instandgesetzt, aber in Teilen provisorisch genutzt. Muhororo liegt recht zentral im Sektor Murambi und ist gut zu erreichen. Direkt benachbart ist die Groupe  Scolaire Muhororo, deren erster Bau 1988/89 vom Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach  unterstützt wurde. Die Schule wurde mehrfach erweitert und mit Hilfe des Ruanda-Komitees 2011 mit Computern ausgestattet. Sie ist jetzt zur Sekundarschule erweitert worden; Strom ist vorhanden.

Vom Sektor Murambi und dem Distrikt wurde seit 2009/10 nachgefragt, ob die Renovierung des zentralen Gebäudes und die Ausstattung eines „Centre de la Formation de la Jeunesse“ bzw. “Centre de Formation Professionelle“ oder, in der seit 2009 verbindlichen Unterrichtssprache Englisch, eines „Vocational Training Center“ (VTC), also eines Berufsbildungszentrums, möglich sei. In mehreren Schritten, die u.a. die Nutzbarkeit der Räume, die angebotenen Ausbildungsberufe und deren Anerkennung, die Qualifikation der Lehrkräfte, der Frage nach dem Schulträger betrafen, wurde zwar im September 2010 ein Förderantrag gestellt, aber die Realisierung der Renovierung und des Umbaus erst mit der auch von der ruandischen Seite unterstützten Schwerpunktbildung auf der beruflichen Bildung in den Jahren  2012 und 2013 möglich.
Die Arbeiten konnten deutlich unter den geplanten Kosten realisiert werden. Vom Gesamtbetrag von 57.599,20 € wurden 17.000,00 € vom Ruanda-Komitee getragen.


Der Lösungsvorschlag

Im VTC  Muhororo werden eine Schreinerwerkstatt, ein Schneideratelier und eine Lehrwerkstatt für Maurer errichtet und ausgebaut. Die provisorische Nutzung hat bereits vor dem Bau begonnen, aber es fehlt an Räumen, Werkzeugen und Geräten. Die Ausbildung (in allen Berufen für Jungen und Mädchen) erfolgt in einem modularen System mit staatlich anerkannten Zertifikaten. Das für die Ausbildung benötigte Werkzeug bzw. einfache Maschinen sind mit dem Bedarf an anderen Schulen im Land in ähnlicher Situation abgeglichen.


Die Umsetzung - es hakt...

 

Nach dem Voranschlag des Koordinationsbüros vom Juli 2013 ergeben sich folgende Kosten:
Ausstattung der Schreinerwerkstatt  10.863.550 FRW
Ausstattung des Schneiderateliers  3.293.500 FRW
Ausstattung der Maurerwerkstatt  2.653.400 FRW
Ergibt Gesamtkosten von

16.810.450 FRW,

bei einem Umrechnungskurs  von 1:800 21.013,06 €


Das Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach übernimmt davon 5.000,00 €. Der Betrag bleibt etwas unter dem „üblichen“ Anteil von 25 %, weil der Anteil des Komitees bei der Baumaßnahme am VTC Muhororo bei einem Drittel lag – ein kleiner Ausgleich.  Damit werden von Seiten des Ruanda-Komitees 22.000,00 € in das Berufsbildungszentrum investiert.

 

Die Umsetzung ist derzeit noch in der Schwebe, das Gebäude steht leer. Nach Interventionen von Genozid-Opferverbänden im Frühjahr 2014 wurde es als unangemessen betrachtet, dieses Gebäude als Schule zu nutzen. Leider ist das niemand, auch den beteiligten und verantwortlichen ruandischen Behörden wie dem Sektor und dem Distrikt, nicht vor oder während der Bauarbeiten aufgefallen. Mehrere Gespräche wurden seitdem geführt, wobei es schwierig ist, dem Respekt vor den Opfern des Genozids sowie der Erinnerung daran und der Notwendigkeit sowie  der Zusage, an diesem Standort eine Berufsschule einzurichten, in einem Kompromiss gerecht zu werden.

 

Der Distrikt Karongi hat dem Ruanda-Komitee zugesichert, dass 2015 in Muhororo eine Lösung der Raumprobleme gefunden werden soll. So lange  behilft sich die Berufsschule mit kleinen Räumen nebenan, und von unserer Seite wird die Ausstattung der Schule erst dann realisiert, wenn geeignete Räume zur Verfügung stehen.