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Mädchen-Schlafsaal für die Sekundarschule Kirinda fertig und schon bezogen

14.02.2017

 

Das große Projekt "Verbesserung der Bildungs- und Lebenssituation durch den Bau eines Schlafsaales für Mädchen in der Sekundarschule Kirinda/Sektor Murambi/Ruanda" ist in weniger als einem Jahr umgesetzt. 

Hierzu eine Textinformation, dazu die Bilder vom Baufortschritt in der Fotogalerie "Dortoir Kirinda".

 

In  der  ruandischen Partnerschule des Emanuel-Felke-Gymnasiums (EFG) Bad Sobernheim, der  Ecole Secondaire (E.S.) Kirinda konnte im Jahr 2016 ein Projekt durchgeführt werden, das der Partnerschule ein großes Plus bringt. Es lohnt sich, das Projekt genauer zu beleuchten, weil es auch ein sehr gelungenes Beispiel ist, wie viele Beteiligte längerfristig und effektiv zusammenarbeiten.

 

Die E.S. Kirinda  liegt im ländlichen Raum, ca.35 km von einer asphaltierten Straße, und hat im Schuljahr 2015 392 Schüler, davon 251 Mädchen und 141 Jungen. Im Schuljahr 2017 haben 420 Schülerinnen und Schüler die Klassen 7 bis 12 begonnen. Die Schule wird im Internatsbetrieb geführt. Die aus dem weiteren Umkreis, z.T. aus anderen Regionen des Landes kommenden Schülerinnen und Schüler sind außer in den Ferien immer in der Schule. Die Unterkünfte für einen Teil der Schülerinnen sind unzureichend. Sie sind außerhalb des Schulgeländes in kleinen Räumen untergebracht. Der Bau eines Schlafsaales auf dem Schulgelände verbessert die Lebenssituation der Schülerinnen und ihre Sicherheit,  die Schule hat eine  bessere Wasserversorgung.

 

Die Förderung von Mädchen auch an einer Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt hat für die soziale und gesellschaftliche Entwicklung in Ruanda nach dem Genozid von 1994 eine besondere Bedeutung. Das geplante Projekt fügt sich in darin ein und kann wie andere Projekte, die an dieser Schule realisiert werden, die Kenntnisse und Qualifikationen von Schülerinnen verbessern. Die E.S. Kirinda ist im nationalen Vergleich eine sehr gute Schule und, auch dank der langjährigen Zusammenarbeit mit dem EFG und dem Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach, gut ausgestattet. 2008 wurden eine Bibliothek, ein Computerraum und ein naturwissenschaftliches Labor gebaut und eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde eine „Papeterie“, eine Schülerfirma, eingerichtet, die Schreibwaren und einen Kopierer vorhält und von den Schülerinnen und Schülern eigenverantwortlich betrieben wird. Seit 2010 wird ein „Schulgarten“ mit modernen Bewirtschaftungsmethoden geführt. In beidem bringen sich gerade die Mädchen mit Interesse und Engagement ein. 2013 wurde ein neuer Sportplatz gebaut, den der ehemalige Schüler des EFG, Jonas Götte, der drei Monate in Kirinda als Assistenzlehrer ehrenamtlich tätig war, einweihen konnte.

 

Auf dem früheren Sportgelände wird ein Schlafsaal-Gebäude geplant, das für 98 Mädchen Platz bieten soll. Sieben Schlafräume mit Etagenbetten und Schränken, ein Zimmer für die Aufsichtsperson, Toiletten und Duschen werden um einen Innenhof gruppiert. Die Wasserversorgung wird durch zwei Zisternen mit je 10 m³ Fassungsvermögen ermöglicht. Das Gebäude wird vollständig  ausgestattet, auch mit  Elektrizität, Betten und Schränken.

Die Notwendigkeit der Maßnahme wird seit mehreren Jahren bei den Beteiligten in Ruanda und Rheinland-Pfalz gesehen. Schulleiter Mézack Gasinzira Ruhumbya hatte bereits 2012 davon gesprochen, doch die Finanzierung eines Projektes dieser Größenordnung ist für die Partnerschule und das Komitee nicht einfach. Das Emanuel-Felke-Gymnasium hat die durch die erarbeiteten Mittel der seit vielen Jahren durchgeführten „Aktion Tagwerk“ in den Jahren 2013 bis 2015 weitgehend angespart. Dies erfolgte in Abstimmung der beiden Schulgemeinschaften. Mézack hatte 2013 die Gelegenheit, Bad Sobernheim zu besuchen, und das Vorhaben wurde beschlossen. Das Ruanda-Komitee hat sich seitdem um Sponsoren und den Antrag beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) bemüht.

 

Die Gesamtkosten des Projekts wurden mit  82.200.000 FRW, geplant,  das sind 121.160 €. Hinzu kommt ein Eigenanteil der Schule: die Schülerinnen und Schüler  in Kirinda räumen die Fläche ab und terrassieren sie unentgeltlich, in Handarbeit. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Gelände begrünt und eingezäunt.

Der Bund, vertreten durch "Engagement Global" (Bengo)  bezuschusst das Projekt mit Zuwendungen des BMZ von 75 % (90.870 €), die Eigenleistung des privaten Trägers beträgt 25% (30.290 €). Die Finanzierung der Eigenleistung ist ebenfalls eine Gemeinschaftsarbeit: Das EFG hat in den letzten drei Jahren  dafür 15.747,40 € angespart. Dazu kommt die Aktion Tagwerk 2015 mit insgesamt 6.008,69 €, ein tolles Ergebnis. Zu diesen  21.756,09 € gibt das Ruanda-Komitee Bad Kreuznach 8.533,91 € hinzu, und damit ist der Eigenanteil  von  30.290 € finanziert. Träger des Projektes ist das Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach, das dafür zertifiziert ist und es in Abstimmung mit dem EFG  und dem ruandischen Schulträger, der Eglise Presbytérienne au Rwanda (EPR) sowie der Hilfe des Koordinationsbüros der Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda in Kigali durchführt.

 

Im Oktober 2016 konnten die rheinland-pfälzischen Partner die Schule besuchen und sich ein Bild von dem Stand der Arbeiten machen. Am 17.11.2016 war die Bauabnahme in Kirinda  durch Mitarbeiter des Partnerschaftsbüros, der Schule und der EPR. Es gab keine Beanstandungen.

 

Zum Jahreswechsel sind die Abrechnungen beim Ruanda-Komitee vorgelegt worden. Der vorläufige Überschlag hatte bereits gezeigt,  dass der Bau deutlich unter den projektierten Kosten bleiben kann. Die Endabrechnung mit dem Verwendungsnachweis der Mittel, der Bengo  am 10.02.2017 vorgelegt wurde, zeigt Ausgaben von 106.662,28 €, das sind 12 % unter den kalkulierten Kosten. Die Gründe dafür sind die Erfahrungen des rheinland-pfälzischen Koordinationsbüros, die beim Transfer der Mittel  und bei der Bauaufsicht (von der Ausschreibung bis zur Endabnahme) genutzt werden konnten. Ohne diese Mitarbeit und Unterstützung "vor Ort" wäre es für uns viel schwieriger geworden, Entwicklungen aus der Ferne einzuschätzen und zu entscheiden.

 

Der gesamte Baufortschritt  ist in Bildern in der Fotogalerie "Dortoir Kirinda" zu sehen - bis zur Nutzung des Gebäudes durch die Schülerinnen im Februar 2017. Sie haben jetzt eine  zweckmäßige, angenehme Umgebung für den schulischen Alltag außerhalb des Unterrichts. Der Aufwand, den wir betreiben mussten, hat sich gelohnt!