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Bericht des Vorsitzenden 2017/18

13.05.2018

Auf der Mitgliederversammlung am 08.05.2018 gab der Vorsitzende Karl Heil einen mit einer Bild-Präsentation unterstützten Bericht, der hier unverändert abgedruckt wird.

 

Wie geht es weiter mit der Arbeit des Komitees? Das war die Überschrift meines Berichtes vor gut einem Jahr zur Mitgliederversammlung am 25.04.2017. Wir hatten damals für die im August 2016 verstorbene stellvertretende Vorsitzende Christel Wenghoefer als neuen 2. Vorsitzenden Heinz Jürgen Braun und als Beisitzerinnen Susanne Maurer und Ingeborg Diegmann für ein Jahr gewählt, um für 2018 wieder in den Zwei-Jahres-Turnus der Vorstandswahlen zu kommen. Nun sieht das heute anders aus, dazu später mehr.

 

Die vor einem Jahr noch gut gefüllte Kasse konnte deutlich geleert werden, wie wir das auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen hatten. Schatzmeisterin Beate Wegmann wird die Zahlen hierzu noch vorlegen. Vieles von dem, was die Leitungen der Schulen der Sektoren Murambi und Murundi im Oktober 2016 beim Treffen in Kirinda auf den Wunschzettel der dringlichsten Maßnahmen geschrieben hatten, konnte realisiert bzw. begonnen werden. Doch der Reihe nach:

 

Der 2016 realisierte Bau eines Schlafsaales für 100 Mädchen der Ecole Secondaire (E.S.) Kirinda konnte deutlich unter den projektierten Kosten bleiben. Sie sind alle 2016 wirksam geworden. Die Endabrechnung mit dem Verwendungsnachweis der Mittel, der Bengo (d.h. dem BMZ als Geldgeber) am 10.02.2017 vorgelegt wurde, zeigt Ausgaben von 106.662,28 €, das sind 12 % unter den kalkulierten Kosten. Die Gründe dafür sind die Erfahrungen des rheinland-pfälzischen Koordinationsbüros, die beim Transfer der Mittel und bei der Bauaufsicht (von der Ausschreibung bis zur Endabnahme) genutzt werden konnten. Ohne diese Mitarbeit und Unterstützung "vor Ort" wäre es für uns viel schwieriger geworden, Entwicklungen aus der Ferne einzuschätzen und zu entscheiden. Das Projekt ist mit Text und vielen Bildern auf der Homepage des Ruanda-Komitees dokumentiert.

 

Die E.S. Kirinda, die Partnerschule des Emanuel-Felke-Gymnasiums (EFG) Bad Sobernheim, hat dann im Sommer 2017 ein weiteres Gebäude erhalten. Als Schulleiter Mézack Gasinzira Ruhumbya im Februar davon berichtete, dass seine Schule zum Schuljahresbeginn 2017 einhundert Laptops erhalten hat, aber ein Informatikraum fehlt, war die Zusage des EFG zur Unterstützung sofort da. Eine Bauplanung wurde in Ruanda aufgesetzt und im Vorstand beschlossen, den veranschlagten Betrag von ca.15.000, - € vom Komitee aus rasch nach Kigali zu überweisen. Danach soll das EFG mit der „Aktion Tagwerk“ seinen Beitrag leisten. Und die Sobernheimer Schülerinnen und Schüler legten sich ins Zeug: 3.600,-- € wurden erarbeitet. Der Bau ist fertig, und auch diese Geschichte ist auf unserer Homepage ausführlich in Text und Bild sehen. Der Bau war in drei Monaten erledigt, die Baukosten blieben auch hier mit 11.383,86 € deutlich niedriger als veranschlagt. Der übrige Betrag blieb auf unserem Verrechnungskonto in Kigali stehen und wurde für die Schulprojekte nach der „Oktoberliste 2016“ eingesetzt, wie die Mitgliederversammlung 2017 dies beschlossen hatte. Der Vorstand hat sich mit der Umsetzung mehrfach beschäftigt, und auch hier hat manches etwas länger gedauert, weil Angaben nicht klar genug waren und erst einmal brauchbare Kostenvoranschläge erstellt werden und in Kigali und von uns geprüft werden mussten.

 

Die Schulprojekte lassen sich in vier Gruppen unterscheiden:

- Renovierungsmaßnahmen an Gebäuden (Dach, Fenster, Zisternen, Möbel)

- Bau von einzelnen Klassenräumen und Toilettenanlagen für Primarschulen

- Verbesserung der Ausstattung (Fotokopierer, Stromstabilisatoren, Bücherkisten)

- Stromversorgung für Primarschulen. Immerhin sind noch zehn der 13 Primarschulen der Sektoren Murambi und Murundi ohne Strom, und sechs davon haben dies als ihr größtes Problem genannt.

Hinzu kam der Wunsch des Gesundheitszentrums Munzanga nach einem Wärmebett für Frühgeborene.

 

Bis heute haben wir einiges davon bereits erledigen können:

- Das Gesundheitszentrum Munzanga hat ein Wärmebett für „Frühchen“ erhalten

- Die E.S. Munzanga hat einen Mouvelo (Elektrischer Kochtopf, 500 Liter) bekommen und  35 Doppelstockbetten (aus Metall) für das Internat und 50 Schülerpulte gebaut

- Die Primarschulen von Rusenge, Nkoto, Murehe und  Mubuga bekamen je einen Fotokopierer mit dem notwendigen Strom-Equipment

- Die Groupe Scolaire Muhororo hat jetzt eine mobile Lautsprecheranlage und  mehrere Sätze Sportausrüstung (Trikots, Schuhe, Stutzen, Bälle) erhalten

- Die Groupe Scolaire Kirinda hat eine Stützmauer am Schulgebäude errichtet.

 

Die Beträge der folgenden Projekte, wie sie sich aus den Kostenvoranschlägen ergeben, sind schon Ende 2017 nach Kigali transferiert worden. In den nächsten Monaten werden umgesetzt, wie uns die Bilder in einem Bericht vom April 2018 belegen

- Eine Toilettenanlage mit 10 Latrinen für die Primarschule (EP) Nkoto

- Ein Klassenraum für die Vorschule und  eine Toilettenanlage der EP Mujyojyo

- Das marode Ziegeldach der EP Nyakabuye wird durch ein Blechdach ersetzt.   

- Zwei alte Klassenräume in der EP Cyamatare sollten erneuert, ausgestattet und ausgebaut werden. Das macht bautechnisch keinen Sinn, sodass wir einen Neubau vornehmen lassen.

 

Die Stromversorgung der Primarschulen beschäftigt uns, und wir diskutieren mit dem Partnerschaftsbüro und den Verantwortlichen vor Ort die Möglichkeit, dies mit Solarenergie zu realisieren. Gemeinsam mit der Grundschule Kleiststraße Bad Kreuznach, die bei einem Spendenlauf mehr als 3.400.- € im Sommer 2017 erzielt hat, wollen wir ein größeres Projekt mit Solarstromversorgung in ihrer Partnerschule, der Primarschule Murambi, die Partnerschule der umsetzen.

 

Damit werden 2017 und 2018 große Investitionen an verschiedenen Schulen getätigt. Alle Beiträge von Partnerschulen (außer dem der Kleistschule für die Solaranlage in Murambi) sind damit aufgelöst. Und da ist ja noch eine Primarschule zu bauen, denn es gibt sie wirklich immer noch, die Klassenräume mit kleinen Fenstern, undichten Dächern und Lehmboden, wo 50 bis 60 Kinder in einem Raum sitzen und lernen. Die Primarschulen auf dem Land sind in der ruandischen Prioritätenliste nach hinten gerutscht. Sekundarschulen, Berufsbildung und auch die Hochschulen erhalten mehr Mittel.

 

Die Primarschule Rusenge ist die von unseren Partnern genannte Priorität. Den für 2017 geplanten Bau der Primarschule Rusenge hatte BENGO, die für BMZ die Anträge prüft, nicht als prioritär angesehen. Eine inhaltliche Begründung gibt es leider nicht außer dem allgemeinen Hinweis in einem Rundschreiben im Januar 2018, dass Infrastrukturprojekte an Schulen nicht (mehr) gefördert werden. Im Sommer 2017 hatten wir erneut die Voranmeldung für den Bau in 2018 eingereicht, mit dem gleichen Ergebnis. Es scheint so zu sein, dass dort die ehrenamtlichen Vereine mit relativ kleinen Projekten zu viel Arbeit machen. Daraufhin wurde ein Förderantrag beim Land Rheinland-Pfalz gestellt, und wir sind froh, dass die Zusage im Februar 2018 erfolgt ist.

Bau und Ausstattung von fünf Klassenräumen, einem Direktionsbüro mit Nebenraum (Lager und Lehrerzimmer), einem Latrinenblock und zwei Regenwasserzisternen sind in Arbeit. Die Projektkosten von etwa 80.000.- € teilen sich das Land Rheinland-Pfalz, das 55.000.- € übernimmt, und das Ruanda-Komitee mit 25.000.- €. Der Bau erfolgt durch lokale Arbeitskräfte, hat bereits begonnen und wird im Herbst 2018 abgeschlossen sein. Auf der Homepage des Ruanda-Komitees wird die Entwicklung dokumentiert. Damit wären wir mit den größeren Schulbaumaßnahmen in den Sektoren Muirambi/Murundi „durch“.

 

Seit 1983 haben wir bisher zum Schulbau an 20 Standorten beigetragen, das ist eine stolze Bilanz und nachhaltig wirksam. Es wird jetzt wichtiger sein, die Ausstattung der Schulen dauerhaft zu verbessern. Dazu wurde im Frühjahr 2018 ein „Pilotprojekt“ für Schulen von Murambi und Murundi erprobt, das die Primarschulen mit Bücherkisten ausstattet. Mit der „mobile classroom library“ konnten wir vorher erste Erfahrungen sammeln. Den Schülerinnen und Schülern werden an die Altersstufe angepasste englischsprachige Bücher in Gruppensätzen (jeweils mehrere Exemplare) zur Verfügung gestellt, die Lehrkräfte für den differenzierenden und vertiefenden Umgang mit den Büchern fortgebildet. Die GS Muhororo und die EP Cyamatare hatten bereits 2015/16 die ersten Kisten erhalten.

Bei erfolgreichem Verlauf soll diese Form der Leseförderung ein Angebot für alle Schulpartnerschaften des Landes werden können. Dies ist eine der Aktivitäten, bei denen (in aller Bescheidenheit) der Vorsitzende des Ruanda-Komitees mitgewirkt hat, ebenso wie bei Veröffentlichungen in der Ruanda-Revue 2017, einem Beitrag in einem Heft des PL „Partnerland Ruanda – neue Perspektiven für den Unterricht“ und einem Vortrag auf einer Fortbildungsveranstaltung im November 2017 in Ingelheim.

 

Es bleibt noch als unerledigter Punkt die Ausstattung des VTC Muhororo, worüber die letzten vier Jahre immer wieder berichtet haben. Ansonsten haben wir durch die Schulprojekte die Beiträge der rheinland-pfälzischen Partnerschulen aufgestockt um größere Investitionen vorzunehmen sowie den Schulen ohne Schulpartnerschaft bei der Grundausstattung aus eigenen Mitteln geholfen. Wir sind jetzt an einer Schnittstelle unserer Arbeit angelangt, weil es in der bisherigen Vereinsform nicht weitergehen wird. Unter Tagesordnungspunkt 5 wird ein Vorschlag zum weiteren Verfahren der Zusammenarbeit mit den Partnern in Ruanda gemacht. Es gibt noch genug zu tun, um den Menschen, besonders den Kindern und Jugendlichen, in den Sektoren Murambi und Murundi bei ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen.

                                                                                                                                  Karl Heil, im Mai 2018