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Projekte 2020 - in Zeiten von Corona

16. 12. 2020

Auch für unsere Partnerschaft war 2020 ein sehr schwieriges Jahr, und es sieht für 2021 noch nicht nach einer raschen Normalisierung aus. Einige Schlaglichter zur Entwicklung in Ruanda und der aktuellen Situation sollen hier folgen.  Als Belege und zur weiteren Vertiefung sind Links angegeben.

 

„Partnerschaften in Zeiten von Corona“ lautet der Titel der Anfang Dezember 2020 erschienenen „Ruanda-Revue“, dem halbjährlich erscheinenden Journal der Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda. Sie kann wie auch ältere Ausgaben, auch von der Homepage des Partnerschaftsvereins heruntergeladen werden: https://www.rlp-ruanda.de/de/medien/ruanda-revue. Bereits Mitte März 2020 hat die ruandische Regierung erste Maßnahmen getroffen, dann bis zum 1. Mai 2020 einen vollständigen Lockdown, u.a. mit Reiseverboten, Ausgangssperren und das Schließen von Schulen Universitäten und Ausbildungsstätten. Die Beschränkungen wurden danach teilweise aufgehoben, es bleiben insbesondere die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, strenge Hygienemaßnahmen sowie Ausgangssperren. Die Schulen blieben bis in den November geschlossen.

 

Aktuelle Situation im Dezember 2020

Mit seinen Maßnahmen  ist Ruanda bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. Ruanda hat derzeit (d.h. am 15.12.2020) 6.747  bestätigte Fälle von  Covid-19, von denen sich 5.996 wieder erholt haben. An Corona sind bisher 56 Menschen gestorben. Die Daten werden täglich fortgeschrieben. [https://www.worldometers.info/coronavirus/country/rwanda/]

Von den am Sonntag [13.12.2020]   ermittelten 131 Neuinfektionen wurden 84 bei der Einreise in Kigali festgestellt und in Quarantäne isoliert. Die Zahlen steigen deutlich an, aber auf einem geringen Niveau. In den Distrikten sind die täglichen Infektionszahlen meist im einstelligen Bereich. So meldet es die „New Times“ aus Kigali am 15.12.2020 .[ https://www.newtimes.co.rw/covid-19/rwanda-registers-131-new-covid-19-cases-highest-september ]

 

Ein Blick nach Europa zeigt, dass der Verlauf der Pandemie hier deutlich anders ist. Die zweite bzw. dritte Welle der Infektionen hat die europäischen Länder erreicht, und die Lockdown-Maßnahmen, wie sie nach dem 15.12.2020 auch in Deutschland gelten, sind in allen Staaten Europas, wenn auch zeitversetzt, ähnlich. Zum Vergleich: Ruanda hat 12,5 Mio. Einwohner, Belgien 11,2 Millionen. Am 11.12.2020 gab es in Belgien bisher über 600.000 Infektionen, im Durchschnitt kommen täglich mehr als 2.165 Neuinfektionen hinzu, und jeden Tag sterben hier fast 100 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus. [Quelle: https://brf.be/national/1439520/ vom 11.12.2020]

 

Trotzdem werden in Ruanda die Restriktionen wieder verschärft, u.a. durch verlängerte Ausgangssperren, die Begrenzung der Nutzung von Büros und Verkehrsmitteln auf 30 % der Kapazität, ab 21.12.2020 dem vollständigen Verbot  von Hochzeiten und privaten Feiern. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben in Ruanda sind gravierend. Der Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz –Ruanda informiert fortlaufend darüber: „Gleichwohl hat die Pandemie große wirtschaftliche Konsequenzen – die Einkommenssituation ist in vielen Bereichen sehr prekär. Vor allem im Hotel- und Tourismus- wie einfachen Dienstleistungsbereich. Die meisten Gehälter sind um mindestens 50% gekürzt, Trinkgelder entfallen. Auch der Bildungssektor ist davon betroffen. Gleichzeitig steigen die Preise. Der familiäre Zusammenhalt ist nun gefragt.“ [ www.rlp-ruanda.de/aktuelles/news-und-veranstaltungen/news-detailansicht/news/424-8-rundmail-zu-ruanda-in-zeiten-von-corona/?no_cache=1&cHash=2542201234266d3f4058e17a54ea0ff8 ]

 

Der Corona-Hilfsfonds

Der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda und das rheinland-pfälzische Innenministerium haben zu Spenden für einen Corona-Hilfsfonds aufgerufen, durch den die Not in Familien gelindert werden kann. Es sind mit dem Lockdown in Ruanda Menschen in allen Bereichen betroffen, vom Tagelöhner und dem kleinen Händler, den Studierenden und Handwerkern bis zum Bauern, der einen Teil der Ernte an Schulen verkaufen konnte, und den Lehrkräften, deren Gehälter weggefallen waren. Gut, dass mit dem Partnerschaftsbüro ein landesweit funktionierendes Netz von Kontakten besteht und schnell und direkt geholfen werden kann.

 

Die Schulen blieben bis Ende November 2020 geschlossen und durften nur öffnen, wenn sie die Hygienevorgaben erfüllen können. Das Schuljahr wird mit dem zweiten Trimester weitergeführt und soll mit den Prüfungen im Juni/Juli 2021 enden. Wie viele in den Sekundarschulen das Schulgeld nicht mehr aufbringen können, wird sich noch zeigen. Die Leiterin einer ländlichen Primarschule beschreibt ein anderes Problem: Wie bringe ich meine Lehrkräfte, die neun Monate als Bauer oder Helfer auf dem Land gearbeitet und keine Schule gesehen haben, wieder zu pädagogischer Arbeit?

 

Wieder vorne dabei: Das EFG Bad Sobernheim

Die Beziehungen zwischen den ruandischen und rheinland-pfälzischen Partnerschulen haben vielfach gelitten, und nicht in allen Beziehungen ist es wie z.B. dem Emanuel-Felke-Gymnasium  (EFG) Bad Sobernheim mit der Ecole Secondaire Kirinda gelungen, trotz Corona-Beschränkungen den Kontakt zu halten und eine „Aktion Tagwerk“ durchzuführen, deren Erlös die Schule in Kirinda gut zur Verbesserung der Hygienebedingungen im Internatsbetrieb verwenden kann. Geplante Schülerreisen sind gestrichen worden, vielleicht lassen sich im neuen Jahr, wenn die Lage in Ruanda und Rheinland-Pfalz wieder „normaler“ ist, per Email oder WhatsApp Kontakte wieder herstellen bzw. vertiefen.

 

Mehrzwecksaal in Muhororo fertig gestellt

Für uns als Ruanda-Komitee Bad Kreuznach gibt es auch Positives zu vermelden: Der Bau des Mehrzwecksaales für die Groupe Scolaire Muhororo konnte im Sommer 2020 in drei Monaten durchgeführt werden. Auf unserer Homepage wird dies genauer beschrieben.  Bilder vom Septembert 2020 zeigen das fertige Gebäude, ganz ungewohnt oder Kinder. In der Bildergalerie der Homepage vermitteln wir einen Eindruck.

Für die langjährig aktiven Mitglieder des Vereins schließt sich an diesem Ort der Kreis: 1989 war die erste kleine Delegation unseres Komitees zur Einweihung der mit unserer Hilfe gebauten Primarschule Muhororo in Ruanda. Das Gebäude steht noch, ist gut in Schuss und wird als Klassenraum genutzt. Aus der kleinen Primarschule mit knapp 400 Schülerinnen und Schülern ist ein Schulzentrum (Klassen 1 bis 12) mit etwa 1.200 Schülerinnen und Schülern geworden.

 

Direkt nebenan auf dem Hügel steht eine Berufsbildende Schule, das TVET Muhororo, die in den Bereichen Maurer, Schreiner und Schneider eine Grundbildung für Mädchen und Jungen vermittelt. Nach längerem Verzug sind 2020 ausreichende Räumlichkeiten für Werkstatt- und Klassenräume fertig gestellt worden. Die Ausrüstung und Ausstattung für die Schneiderwerkstatt ist dürftig, und ohne die vom Staat vorgegebene Ausstattung gibt es keine Anerkennung der Ausbildung und auch keine Lehrkräfte (die dann staatlich besoldet werden).

 

Zweites Projekt am Start: Ausstattung des TVET Muhororo

Noch vor Jahresende 2020 konnte die Ausstattung des TVET Muhororo auf den Weg gebracht werden. Dank der Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz und mit Spenden konnte der Betrag von gut 18.000.- € bereitgestellt werden. Vielen Dank dafür an das Land und an alle Spender! Auf unserer Homepage wird auch darüber berichtet, wenn das Projekt Anfang 2021 umgesetzt wird. Auf dieser Homepage ist auch jetzt schon eine Bildergalerie mit dem bisherigen Zustand zu finden.

 

Wenn auch die Corona-Pandemie viele Aktivitäten einschränkt, so ist es aus meiner Sicht weiter notwendig, nicht den Blick zu verengen auf unsere eigenen Probleme, sondern in der „Einen Welt“ zu sehen, dass eine Pandemie eben weltweite Folgen hat. Die sind in einem Entwicklungsland wie Ruanda sozial und wirtschaftlich sicherlich nicht geringer als bei uns. Hier wie dort sind Solidarität und Engagement, Empathie und Respekt die Schlüssel zu einer guten Entwicklung.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir  die Folgen der Pandemie gut überstehen und gesund bleiben. Vielen Dank für  das Interesse und die Unterstützung. Ich freue mich, wenn wir auch 2021 der Partnerschaft mit den Menschen in Ruanda verbunden bleiben.

Herzliche Grüße

Karl Heil

 

Foto: Zeitungsmeldung des Öffentlichen Anzeigers vom 12.10.2020