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Bericht des Vorsitzenden 2014/15

24.04.2015

Die Schulen bleiben weiter im Fokus

 

 

Ich gebe diesen Bericht zur Mitgliederversammlung heute, am 21. April 2015, weil unsere Mitgliederversammlung am 24. März 2015 nicht beschlussfähig war. Dem damals anwesenden ein Dutzend Mitglieder habe ich trotzdem eine Power-Point-Präsentation gezeigt, die leicht aktualisiert heute wieder zur Illustration des Berichts dient.

 

 Unsere letzte Mitgliederversammlung war am 04. April 2014. Damals konnte, wenn auch nur mit Mühen, für zwei Jahre ein neuer Vorstand gewählt werden. Die Ära von Schatzmeisterin Elisabeth Eminger, einem Gründungsmitglied des Komitees von 1983, ging dabei zu Ende. Frau Eminger als eine unermüdliche Kraft des Komitees bleibt aber als Beisitzerin im Vorstand weiter aktiv. Die bisherige stellvertretende Vorsitzende Beate Wegmann übernahm das Amt der Schatzmeisterin, neue stellvertretende Vorsitzende ist Christel Wenghoefer. Neben Dorothea Werner-Tokarski als Schriftführerin wirken Jürgen Braun, Christian Grosscurth, Elke Heil und Wolfgang Wenghoefer als Beisitzer im Vorstand mit.

 

2014 war wieder ein sehr ereignisreiches Jahr. Zu berichten ist über die Situation an der Berufsschule Muhororo, die Einweihung der Primarschule Nyamugali, den Weiterbau der Sekundarschule Munzanga, die Verteilung von didaktischem Material an die Schulen der Sektoren Murambi und Murundi sowie die Einweihung einer Zisterne für die Primarschule in Sanza.

Im Berichtsjahr hatte ich zweimal Gelegenheit Ruanda zu besuchen: im April/Mai 2014 für fast vier Wochen als „Senior-Experte“ für das Koordinationsbüro in Kigali, um Schulpartnerschaften weiter zu entwickeln,  und eine Woche im Oktober 2014 als Teilnehmer an der Delegation des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz.  Mit ihm fuhren die Mitglieder der „Gemeinsamen Kommission“, die im Turnus von drei Jahren die Zusammenarbeit beider Länder diskutiert und neue Akzente setzt.

 

Im Einzelnen: Bereits 2013 war der Bau des Berufsbildungszentrums Muhororo (Centre de Formation Professionnelle, CFP), heute in Englisch: Vocational Training Center, VTC) abgeschlossen worden.

Das ehemalige Gemeindezentrum von Bwakira, das nach 1994 zeitweise als Gefängnis gedient hatte und dann viele Jahre leer stand, wurde mit unserer finanziellen Hilfe umgebaut und zum Standort einer Berufsschule, wo die Absolventen der neunjährigen Primarschule, die die Aufnahme in die Sekundarschule aus finanziellen oder Leistungsgründen nicht schaffen, eine berufliche Grundbildung erhalten. Die Räume wurden z.T. durch Umbauten gewonnen, und Mädchen und Jungen werden zu Schneidern, Schreinern und Maurern ausgebildet.

Wir wussten, dass für die Ruander ist der Standort, an dem während des Genozids 1994 viele Menschen umgebracht wurden, nicht unproblematisch ist. Die Entscheidung, das Gebäude umzubauen, fiel aber „vor Ort“, ebenso wie die Entscheidung im Frühjahr 2014, das Gebäude nicht zu nutzen - 20 Jahre nach dem Genozid.  In Gesprächen mit dem Chef des Distrikts und dem Exekutivsekretär des Sektors Murambi wurde für den Beginn des Jahres 2015 eine Lösung zugesagt, bisher ist nichts zu sehen. Die Ausstattung der Werkstätten als nächster Schritt, den wir  auf  der Mitgliederversammlung im April 2013 beschlossen hatten, liegt auf Eis, der Betrag von etwa 20.000.- Euro (davon ein Viertel von uns) bleibt dafür reserviert.

 

Das Schulsystem in Ruanda ist weiter im Wandel und Ausbau. So werde einige Primarschulen wie Muhororo, unser erster Schulneubau aus dem Jahre 1989, zu Schulzentren mit zwölfjähriger Schulzeit als Sekundarschulen ausgebaut. Andere Schulen werden von sechs auf neun Jahre erweitert, nur zum Teil mit Neubauten. Und dann gibt es immer noch Schulen mit Gebäuden aus Stampflehm, Lehmboden und wenigen Latrinen, ohne Strom und mit wenig Wasser aus Zisternen. So lange es Schulen mit einer derart schlechten Bausubstanz und fehlenden Klassenräumen wie die Primarschule Nyamugali gibt, das als Schulneubauprojekt im Berichtsjahr 2013/14 realisiert wurde, sind auch weitere Schulbauten sinnvoll. Nyamugali ist in Betrieb. Sechs Klassenräume, ein Büro, eine Toilettenanlage und zwei Regenwasser-zisternen mit je 10 Kubikmeter sind für 71.000.- Euro gebaut worden, davon hat das Ruanda-Komitee 21.000,--€ übernommen. Im Mai 2014 konnte die Schule feierlich eingeweiht werden. Für die gut 400  Schülerinnen und Schüler  gibt es jetzt eine schöne Schule, und als Gastgeschenk wurden didaktische Materialien, d.h. Wandtafeln für den naturwissenschaftlichen Unterricht und Wandkarten übergeben.

Für die Schulen auf dem Land und die dort arbeitenden Lehrkräfte ist es schwierig, guten Unterricht zu machen. Die Klassen sind groß, und das Unterrichtsmaterial ist (von Schulbüchern im Klassensatz abgesehen) eher spärlich. Hier haben in den  letzten Jahren die Aktionen der rheinland-pfälzischen Partnerschulen für die Hälfte der Schulen in den Sektoren Murambi und Murundi spürbare Verbesserungen gebracht. Das hat dauerhafte Wirkung, und wir unterstützen die Schulpartnerschaften gerne. Das Ruanda-Komitee hat in den beiden letzten Jahren geholfen,  alle Schulen der Sektoren Murambi und Murundi auf  einen vergleichbaren Stand der Ausstattung mit didaktischem Material zu bringen. Die Verteilung ist abgeschlossen, eine Fortbildung gehört dazu. Etwa 10.000.- Euro wurden dafür aufgebracht.

 

Die schon länger laufenden Projekte sollen nicht vergessen werden:

- In der Sekundarschule E.S. Kirinda, der Partnerschule des EFG Bad Sobernheim, wurden die Projekte Schulgarten und „Papeterie“ weitergeführt. Die vorbildliche Schulpartnerschaft des EFG Bad Sobernheim hat auch zu einem neuen Sportplatz geführt,  der neben der Schule gebaut wurde. Hier wurden gut 22.000.- Euro investiert, davon ein Drittel vom EFG. Nächstes Projekt soll der Bau eines Mädchenschlafsaales für 200 Mädchen sein, der bald 100.000.- € kosten kann. Die Finanzierung wird nicht ganz einfach, auch wenn das EFG jedes Jahr mehrere Tausend Euro für die Partnerschule erwirtschaftet.

- Die Ziegenkooperative AMIZERO mit mittlerweile 2000 Ziegen. Frau Eminger kann dazu mehr sagen, auch auf zu der von ihr initiierten Kooperative ABADATEBA, ein Projekt mit Schweinezucht für Frauen.

 

Zum derzeit einzigen laufenden Schulprojekt, dem Bau von Bibliothek und Sportplatz der Sekundar-schule Munzanga, kann eigentlich Vollzug gemeldet werden.  Drei neue Klassenräume, eine Bibliothek (Raum und komplette Ausstattung), eine Toilettenanlage und ein Sportplatz sind gebaut.  Besonders die Bibliothek und der Sportplatz, beides öffentlich zugänglich, machen die E.S. Munzanga, direkt neben dem gut ausgebauten Gesundheitszentrum, zu einem Kristallisationspunkt der Entwicklung im Sektor Murundi. Hier konnten wir das BMZ als Co-Finanzier gewinnen, um die Gesamtkosten von über 120.000.- Euro stemmen zu können. Der Aufwand rechnet sich, weil der Bund aus einem Spenden-Euro vier macht-  also erbringen wir 30.000. –Euro als Anteil des Komitees. Durch glückliche Fügungen wie günstigere Umrechnungskurse und preiswerte Ausführung gibt es hier die Möglichkeit, mit den „Restmitteln“ ergänzend einen Speisesaal zu bauen.  Die Schule errichtet derzeit aus eigenen Mitteln eine eigene Küche und die Finanzierung des Speisesaals war wiederum mit Hilfe des BMZ  zusätzlich möglich. Jetzt ist die Sache rund – und die Schule ist eine der erfolgreichsten bei den zentralen Abschlussprüfungen. Ihre Partnerschule, die Realschule plus „Auf Halmen“ in Kirn, hat über 1.000.- € für die Ausstattung des Labors  aufgebracht.

 

Neben Munzanga wird derzeit der Neubau der Primarschule Sanza angeschoben. Diese mit über 1.000 Schülerinnen und Schüler riesige Primarschule hatte im Herbst quasi im Vorgriff eine Zisterne erhalten, die der Bad Kreuznacher Landtagsabgeordnete Carsten Pörksen statt Geburtstagsgeschenken finanzierte.  Wir beide konnten im Oktober 2014 bei einer Fahrt nach Sanza im Rahmen des Delegationsbesuches die Zisterne einweihen. Es wurde uns bei einem Rundgang klar, dass hier noch dringender Bedarf an Klassenräumen, Zisternen und Toiletten besteht. Sechs Klassenräume sollen in diesem Jahr gebaut werden. Dafür sind nach gegenwärtigem Umrechnungskurs ca. 93.000,-€ erforderlich, die wir uns mit dem Land Rheinland-Pfalz und der Leser-Aktion „Helft uns leben“ der Rhein-Zeitung teilen.

 

Bei einem Blick nach vorne hat die Primarschule Rusenge noch dringenden Bedarf an drei Klassen-räumen und Toiletten. Schulbauten kosten viel Geld. Wir müssten daneben intensiver diskutieren, wie Einkommen schaffende Maßnahmen für die Bevölkerung und eine bessere Versorgung der Schülerinnen und Schüler, die in den Sekundarschulen ganztägig beschult werden, möglich werden. Schulgärten und  neue Bananensorten werden in Gesprächen in Ruanda immer wieder genannt. Die Versorgung mit sauberem Wasser bleibt ein Problem, der Ausbau der Stromversorgung geht auf dem Land langsam voran.

 

Eingangs hatte ich erwähnt, dass der amtierende Vorstand nur mit Mühen gewählt werden konnte. Die Satzung des Komitees sollte heute daraufhin geändert werden, dass die Zahl der Beisitzer flexibel gehandhabt werden kann. Zudem sollte die Mitgliederversammlung kein Quorum von einem Drittel der Mitglieder mehr haben, sondern immer beschlussfähig sein. Ein Vorschlag zur Satzungsänderung liegt für unsere heutige Versammlung vor und ist mit dem Amtsgericht abgestimmt.

 

Ich kann insgesamt das gleiche positive Fazit wie im letzten Jahr ziehen. Mein ganz herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern und Förderern des Ruanda-Komitees, die materiell und ideell unsere Arbeit unterstützen.

Schulpartnerschaften, Sponsoring, zweckgebundene Spenden, Kontakte und Austausch, aber auch das positive Eintreten und Werben für die Partnerschaft sind ganz unterschiedliche Möglichkeiten, die den Menschen in Ruanda größere Chancen geben können, ihre Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Dazu wollen wir gern einen Beitrag leisten, und wir freuen uns für jede Unterstützung.