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Bildung und Schule

Versuch einer aktuellen Situationsbeschreibung

 

Grundlagen:

  • Nieden, Michael: Die Bildungs- und Schulsituation in Ruanda. In: Schulpartnerschaften zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. (= PL-Information 3/2012, Hrsg.: Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz (ISIM) und Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL) in Kooperation mit Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda, verantw. Redakteurin Dorothea Werner-Tokarski (PL). Mainz und Bad Kreuznach 2012, S. 18-26 auch zu finden auf der Homepage des Partnerschaftsvereins: www.rlp-ruanda.de/index.php?article_id=89
  • Nshimyumukiza, Jacques: Bildungswesen. Seite RUANDA des Portals der GIZ. = 

    http://liportal.giz.de/ruanda.html

    , mehrfach verlinkt zu weiterführenden Seiten zum Thema.
  • Heil, Karl: Schulen und Schulkinder. In: Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach (Hrsg.): 20 Jahre Partnerschaft mit Bwakira/Budaha. Bad Kreuznach 2003, S. 51-53
  • Gahamanyi, Célestin: Die Bildungs- und Schulsituation in Ruanda. In: Schulpartnerschaften zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Hrsg. Pädagogisches Zentrum Rheinland-Pfalz (= PZ-Information 15/2004). Bad Kreuznach 2004, S. 18-23
  • Zum Bildungssystem. Homepage des ruandischen Bildungsministeriums www.mineduc.gov.rw
  • Berufliche Bildung: Homepage der Workforce Development Authority (WDA): www.wda.gov.rw

 

Einleitung

Schulen sind der unstrittig wichtigste Punkt einer Zusammenarbeit in kleineren Projekten, wenn man auf längerfristige Verbesserungen in der Entwicklung abzielt. Nicht zuletzt deshalb ist der Schulbereich der Sektor, in dem auch in Ruanda viele Organisationen tätig sind: staatliche und nichtstaatliche, kirchliche und andere, mit graduell unterschiedlichen Motiven, aber der gemeinsamen Einsicht, dass Kinder die Zukunft eines Volkes sind.

 

Nicht nur, wer zu Beginn der neunziger Jahre gesehen hat, wie Schüler auf Lehmbrocken sitzen, um dem Unterricht zu folgen, wenn es durch das Dach regnet, die Klassenräume bei Bewölkung zu dunkel sind, weil Fenster fehlen, Aufgaben und Lösungen auswendig aufgesagt werden, weil Tafeln, Papier und Bleistift fehlen - der kann abschätzen, was es 1997 bedeutet hat, als 1.353 Schulbänke für alle Schulen hergestellt werden konnten. Unsere zweite Schulmöbelaktion nach 1993 war auch ein deutliches Zeichen, dass wir uns im Bildungsbereich weiter engagieren wollen. Damit konnten flächendeckend für die Schulen in Bwakira Schulbänke in der Gemeinde selbst fabriziert werden, was auch ein größeres Beschäftigungsprogramm für Schreiner war. Das BMZ in Bonn hat dabei drei Viertel der Kosten von 74.415.- DM übernommen.

 

Eine Übersicht der Schulen in der Gemeinde Bwakira aus dem Jahr 2000 zeigt den relativ schlechten Zustand vieler Schulen. Mit der Erweiterung zum Distrikt Budaha hatte sich nicht nur die Zahl der Schulen erhöht, die Probleme sind auch größer geworden: In Norden des Distrikts ist der Zustand vieler Primarschulen mindestens genau so unzureichend wie im bisherigen Bwakira. Waren es in Bwakira 19 Primar- und drei Sekundarschulen (zwei weitere im Aufbau), so sind es in Budaha jetzt 31 Primarschulen und vier Sekundarschulen, die Unterstützung brauchten.

 

Mit dem Neuzuschnitt der Distrikte und der Einrichtung der beiden Sektoren Murambi und Murundi, dem Kernbereich unserer Aktivitäten, ist die Zahl der Schulen wieder kleiner geworden. Heute sind es 12 Schulen im Sektor Murambi und 8 im Sektor Murundi, die es zu unterstützen gilt.

 

Karte Murambi-Murundi Schulstandorte 2007

 

Entwicklung des ruandischen Schulsystems

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde unter dem Einfluss der (katholischen und evangelischen) Missionare ein Schulsystem aufgebaut, das der „Kultivierung“ der Bevölkerung, zuerst aber der Rekrutierung von einheimischem Personal für die Missionierung dienen sollte. Das europäische Schulwesen wurde als Grundlage genommen, nach dem Ersten Weltkrieg das belgische Schulsystem in Inhalten und Methoden übertragen. Nach der Unabhängigkeit 1962 gab es einige Reformen, und 1967 wurde die allgemeine Schulpflicht für Kinder ab dem 7. Lebensjahr eingeführt. Schuljahr ist das Kalenderjahr, es wird in drei Trimester gegliedert, mit Abschlussprüfungen im November und anschließend sechs Wochen Ferien. Kern war eine sechsjährige Primarschule mit einer darauf folgenden sechsjährigen Sekundarschule, beide in jeweils dreijährige Abschnitte gegliedert, mit landesweiten zentralen Prüfungen. Es gab zudem einen kleinen berufsbildenden Bereich mit Handwerksausbildung.

 

Mit dem Bürgerkrieg und Genozid 1994 wurden zahlreiche Ressourcen vernichtet: Lehrkräfte, Gebäude, Materialien. Mit großen Anstrengungen und vielfacher Hilfe ausländischer Geldgeber (Staaten, Kirchen, halbstaatliche und private Organisationen) wurde die Wiederherstellung von Grund- und Sekundarschulen betrieben und der Hochschulbereich ausgebaut. Ruanda wollte internationalen Anschluss insbesondere im Dienstleistungsbereich/ Informationstechnologie gewinnen. Der Handwerksbereich wurde vernachlässigt; die Kaufkraft im ländlichen Raum ist schwach, Nachfrage daher gering. Erst im Bauboom (besonders in Kigali) nach 2005 wurden die Defizite deutlich. Die berufliche Bildung bekommt einen höheren Stellenwert, der sich in der 2008 eingerichteten „Workforce Development Agency“, WDA verdeutlicht.

 

Seit 2000
Das Schulsystem in Ruanda hat in den letzten Jahren große Veränderungen erfahren. Im Jahr 2000 hat die neue ruandische Regierung mit der Vision 2020 sehr ehrgeizige Ziele formuliert, die sie konsequent umsetzt.

Mit Beginn des Schuljahres 2009 wurde vollständig von Französisch auf Englisch als Unterrichtssprache umgestellt und 2010 wurde dieschulgeldfreie neunjährige Grundschule (nine-years-basic education) eingeführt. Weiterhin wurden Baustandards für Schulbauten gemäß den Richtlinien des „Child – Friendly School Approach“ der UNICEF als Maßstab gesetzt: neue Richtlinien für Fenstergrößen, Durchlüftung, Barrierefreiheit, Hygienevorschriften, Umweltstandards usw.

 

Im berufsbildenden Bereich wurde ein neues Konzept erarbeitet und in den Jahren 2008 und 2009 eingeführt. Das „Technical and Vocational Education Training Program“ (TEVET) soll für landesweit einheitliche Standards bei Zertifikaten in der beruflichen Ausbildung sorgen und darüber hinaus die fachlichen Fähigkeiten der Lehrer sowohl in der Grundausbildung zum Berufsschullehrer als auch durch Fortbildungen (in-job-training)verbessern. Mit der Einführung von TEVET wurde auch die Durchlässigkeit innerhalb des Systems der schulischen und beruflichen Ausbildung sowohl auf horizontaler als auch vertikaler Ebene erweitert.

 

Der Schule kommt darüber hinaus eine sehr starke integrative Aufgabe zu: Sie muss die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse der Elternhäuser der Kinder zusammenführen, sie muss auf ein zunehmendes Stadt-Land Gefälle reagieren und sie soll die Schülerinnen und Schüler für eine moderne Gesellschaft mit neuen Werten vorbereiten.

 

1994-2000
Das ruandische Bildungssystem hatte nach dem Bürgerkrieg und dem Genozid Anfang der neunziger Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Dem Land fehlte es neben Schulgebäuden an Lehrpersonal, Verwaltungsstrukturen sowie beruflichen Qualifikationen. Die damalige Regierung konzentrierte sich auf die Wiederherstellung von Grund- und Sekundarschulen sowie auf die Schaffung von Universitäten. Man erhoffte sich durch eine gute Qualifikation von jungen Menschen vor allem im Hochschulbereich, dass Ruanda wieder internationalen Anschluss im Dienstleistungssektor findet, vor allem im ICT-Bereich. Die berufliche Ausbildung im Handwerk wurde lange Zeit vernachlässigt, nicht zuletzt deswegen, weil noch wenig Kaufkraft im ländlichen Bereich vorhanden war. Erst mit dem beginnenden Baumboom ab 2005 wurden die Defizite offensichtlich und die Regierung reagierte auf diese Herausforderung.

 

Bislang baute es auf einem zweigliedrigen System auf: einer sechsjährigen schulgeldfreien Grundschule und einer sechsjährigen schulgeldpflichtigen Sekundarschule, mit deren Abschluss die Jugendlichen ein weiterführendes entgeldpflichtiges Studium an der Nationaluniversität oder an fachspezifischen Instituten aufnehmen konnten. Bis 2009 war Französisch neben Kinyarwanda die offizielle Sprache. Für die Grundausbildung im handwerklichen Bereich gab es die „Centre de Formation des Jeunes“ (CFJ), die jedoch lange Zeit ein Schattendasein führten.

 

Übersicht

 

In Ruanda gibt es folgende Bildungsbereiche: Vorschulerziehung, Primar- und Sekundarschulen, Hochschulen und die berufliche Ausbildung. Zunehmend gibt es auch Weiterbildungsangebote für Personen, die schon im Berufsleben stehen. Das ruandische Schuljahr beginnt im Januar und endet im Oktober. Es ist aufgeteilt in drei Semester, die jeweils mit Prüfungsarbeiten abschließen. Anfang April und Mitte August sind kurze zwei- bis dreiwöchige Ferienblöcke. Am Ende eines Schuljahres gibt es darüber hinaus noch die nationalen einheitlichen Abschlussarbeiten, die landesweit ausgewertet und veröffentlicht werden (siehe hierzu auch: www.mineduc.gov.rw)

 

Ein Beispiel:

Ein ruandisches Kind wird mit ungefähr 7 Jahren eingeschult, durchläuft die9-jährige Grundschule, um sich dann bei bestandenem Abschluss bei einer schulgeldpflichtigen Sekundarschule mit einem bestimmten Schwerpunkteinzuschreiben. Wiederum bei bestandenem Abschluss kann es entweder direkt auf eine Hochschule gehen oder es schreibt sich bei einem Institut(vgl. unsere Fachhochschulen – Bachelor) ein, um dann anschließend noch einen Hochschulabschluss (Master) an einer Universität zu erwerben.

 

Sekundarschüler, die den laufenden Anforderungen nicht gerecht werden, haben auch die Möglichkeit während der drei Jahre in eine Berufsschule (TEVET) zu wechseln, um dann dort einen Abschluss zu erwerben. Ein Schüler, der nicht auf eine weiterführende Sekundarschule geht, kann nach der Grundschule eine Berufsschule (TEVET) besuchen. Bei erfolgreichem Ablegen verschiedener aufeinander aufbauender Module kann er entweder versuchen auf eine Sekundarschule oder, nach erfolgreicher Qualifizierung, zum Studieren auf eine höhere Berufsschule (IPRC) zu wechseln. Alternativ dazu kann er die Berufsschule (TEVET) mit einem Abschluss verlassen, um dann als Handwerker in das Berufsleben einzusteigen. Da die Berufsschule modular aufgebaut ist, kann nach Bestehen der Grundmodule, die Schule bereits nach einem Jahr verlassen und eine Arbeit aufgenommen werden. Dieses modulare System soll insbesondere die Abbrecher der Grundschule auffangen. Berufsschulen sind nicht entgeltfrei.

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Grundschulen

Seit Beendigung des Bürgerkrieges hat Ruanda im Grundschulbereich erhebliche Fortschritte gemacht. Die Einschulungsrate betrug im Jahre 2011 ca. 95 % (vgl. hierzu im Jahre 2000: 73%). Auch die Zahl der Schulabbrecher konnte vermindert werden, wobei hier der Grund eines Mangels an Arbeitskräften zu Hause – vor allem bei Mädchen – immer mehr entfällt.

 

In Ruanda gab es im Jahre 2011 2.543 Grundschulen mit ca. 2.340.000 Schülern und 40.000 Lehrkräften. Im Schnitt beträgt die Klassengröße zwischen 40 und 50 Kinder. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler pro Schule variiert zwischen 800 und 1.600. Die Grundschulen sind Tagesschulen und vielfach arbeiten die Lehrer in zwei Schichten: vormittags bis 12:30 und nachmittags bis 17:30. Das Einzugsgebiet einer Grundschule umfasst ein Radius bis zu 5 km, d.h. Kinder können bis über eine Stunde zu Fuß unterwegs sein. Das Gleiche gilt oftmals auch für die Lehrkräfte. Öffentliche Verkehrsmittel im ländlichen Raum sind sehr rar und teuer. In den Grundschulen ist eine standardisierte Schuluniform Pflicht: für Mädchen blau und für Jungen hellbeige.

 

Die neunjährige Grundschule ist schulgeldfrei, die Eltern müssen jedoch für Schuluniform, Hefte und Stifte selbst aufkommen. Weiterhin gibt es keine Essensversorgung an den Grundschulen. Über Schulbücher verfügen die Kinder noch selten; zuweilen werden Bücher in den oberen Klassen im Unterricht morgens verteilt und dann bei Unterrichtsende wieder eingezogen.

 

Grundschulen sind noch kaum an das Stromnetz angeschlossen, dies hängt auch mit der schwierigen Topographie des Landes zusammen. Der Staat versucht dem mit der Installation von Photovoltaik-Anlagen zu begegnen. Darüber hinaus werden zunehmend sog. „School Centers“ (Schulzentren) gebildet, die sich aus Grund- und Sekundarschulen zusammensetzen. In der Nähe von dörflichen Siedlungen angelegt, werden diese immer mehr an ein öffentliches Stromnetz angebunden. Die Versorgung mit Wasser erfolgt weitgehend durch Zisternen.

 

Bislang reicht die Qualifikation für Lehrkräfte an Grundschulen der A2 Abschluss aus, d.h. das Bestehen der Sekundarschule. Sie können an dem „Kigali Institut for Education“ (KIE) Fortbildungskurse besuchen, sei es fachspezifisch, sei es in Didaktik und Methodik. Die Lehrergehälter an Grundschulen sind sehr niedrig, Gehälter lagen im Jahr 2011 bei umgerechnet monatlich 40 bis 50 Euro. Deswegen versucht man mit speziellen Programmen wie z.B. einer eigenen Kreditkasse für Lehrer, den Berufszweig als Einstiegsberuf für junge Menschen attraktiver zu gestalten.

 

Sekundarschulen

Die Sekundarschulen, die früher fast ausschließlich als Internate geführt worden sind, werden zunehmend in Tagesschulen umgewandelt. Sie sind heute weitgehend nur noch dreijährig und nach Schwerpunkten aufgeteilt: Es gibt mathematisch-naturwissenschaftliche Züge, humanistisch-sprachliche Züge sowie technische und sozialpädagogische Ausrichtungen. Die Sekundarschulen sind bislang schulgeldpflichtig, vor allem aus dem Grund, da sie als Internate geführt werden oder teilweise als Ganztagesschulen mit Schulspeisung.

 

Das Schuljahr gliedert sich in drei Semester, die jeweils mit Prüfungen abschließen. Sekundarschulen bieten oft Arbeits- gemeinschaften an, in denen Schüler soziale Kompetenzen lernen können: sei es durch Sport, Tanz, Gesang, Theater oder anderen Aktivitäten. Interessanterweise schneiden im landesweiten Vergleich oft ländliche Internate besser ab als städtischen Einrichtungen – hier auch wiederum oft Schulen in privater Trägerschaft z.B. kirchliche Einrichtungen besser als öffentliche.

 

Im Jahre 2011 sind ungefähr 486.000 Schüler in Sekundarschulen eingeschrieben, wobei es interessant ist, dass die Zahl der Mädchen steigt, während die der Jungen leicht abnimmt. Das Lehrer-Schüler Verhältnis verringerte sich ebenfalls und betrug im Jahr 2011 1:37 (2001 noch 1:52). Die Ausstattung mit didaktischem Material (Schulbücher, kleinere Bibliotheken, Labore u.a.) hat sich in den letzten Jahren in den Sekundarschulen erheblich verbessert. Auch an Sekundarschulen gilt die Uniformpflicht. Den Mädchen ist es verboten sich zu schminken und Haarfrisuren (sog. Haardress) zu tragen. Dies soll verhindern, dass soziale Unterschiede zu Spannungen in Schulen führen.

 

Lehrkräfte, die an Sekundarschulen lehren, müssen wenigsten einen A1 oder einen A0 (Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss) nachweisen. Das Gehalt ist nach Alter und Dauer der Lehrtätigkeit gestaffelt jedoch wenigstens ein Drittel höher als an Grundschulen. Mit Abschluss der Sekundarschule ist die 12 jährige Schulpflicht erfüllt.

 

Die Reform der Ausbildung im handwerklichen Bereich hatte ihren Durchbruch Anfang 2008 mit der Verabschiedung des TEVETProgramms und der Bündelung der Aufsicht und Durchführung in einer im Erziehungsministerium MINEDUC ausgelagerten Behörde der WDA (Workforce Development Authority www.wdarwanda.org). Gleichzeitig wuchs die Nachfrage nach qualifizierten Handwerkern in der Baubranche, die seit 2005 einen Boom erlebte.

 

Die WDA ist zuständig für die Erstellung von Lehrplänen (siehe erste Lehrpläne für einzelne Berufssparten unter www.wdarwanda.org → curriculum), der Einführung von einheitlichen Ausbildungsstandards und Zertifizierung. Ihr obliegt die Durchführung der nationalen Prüfungen im handwerklich-technischen Bereich sowie die staatliche Anerkennung von Berufsschulzentren (VTC = Vocational Training Center) und technischen Sekundarschulen (TSS = Technical Secundary School). Die Zuteilung und die Ausbildung von Lehrkräften und vor allem die Weiterbildung von Berufsschullehrern, die schon im Dienst sind, fallen ebenfalls in die Zuständigkeit der WDA. Weiterhin kümmert sie sich auch um die Weiterqualifikation von Handwerkern im Berufsleben. In naher Zukunft soll in jeder der vier Provinzen und in der Hautstadt Kigali ein sogenanntes Polytechnisches Ausbildungszentrum – IPRC – errichtet werden, das sowohl Ausbildung als auch Fortbildung, aber auch Weiterbildung von Lehrern (Training of Trainers: ToT) anbieten soll.

 

Das Ausbildungssystem ist modular aufgebaut, um den jeweiligen Anforderungen und Qualifikations- niveaus der Schüler und Erwachsenen gerecht zu werden. So können z.B. Schüler schon nach einem Jahr Berufsausbildung mit einem Zertifikat in das Berufsleben einsteigen und sich später weiter qualifizieren. Ein duales Ausbildungssystem ist mangels gut eingerichteten Betrieben und fehlender finanzieller Unterstützung kaum durchführbar. Bei fast 50% Jugendlichen unter 15 Jahren liegt ein großer Druck auf der Regierung, hier möglichst schnell und effizient zu reagieren.

 

Nach Bestehen aller vorgeschriebenen Modulen kann ein Schüler auf die technischen Sekundarschulen wechseln oder bei herausragenden Leistungen auch direkt auf die integrierten polytechnischen Schulen. Mit gutem Abschluss hätte er die Berechtigung für ein technisches Studium. Schüler aus technischen Sekundarschulen (TSS) können entweder direkt ein Ingenieurstudium beginnen oder auch auf die Polytechnischen Schulen wechseln. Allerdings ist die Ausbildung im handwerklichen Bereich schulgeldpflichtig, die Gebühren richten sich je nach Ausbildungsniveau.

 

Die sehr ehrgeizigen Ziele sind unter “www.wdarwanda.org → about us → siehe WDA Strategic Plan and Quick-win Plan nachzulesen. Unter www.wdarwanda.org → useful links” aufgelistet.

 

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Ausblick und Herausforderungen

Das Bildungssystem in Ruanda noch immer erhebliche Defizite in einer professionellen Ausbildung der Lehrkräfte. Allein am Beispiel der Umstellung der Unterrichtsprache von Französisch auf Englisch, aber auch bei Fragen der Didaktik und Methodik in Bezug auf Förderung von Kreativität, Selbständigkeit und Eigenverantwortung werden die Mängel deutlich. Hier hat die ruandische Regierung Ende 2011 mit einer eigens dafür geschaffenen Kommission reagiert: dem „Rwandan Education Board (REB)“ sowie einer „School Management“ Trainingseinheit (VVOB), die beide ebenfalls dem Erziehungsministerium unterstehen (siehe www.mineduc.gov.rw).


Doch nicht nur die Ausblidung der Lehrkräfte, sondern auch die Aufnahme und Versorgung der vielen schulpflichtigen Kindern ebenso wie die Bereitstellung von Arbeitsplätzen für immer mehr und besser ausgebildeten Schul- wie Universitätsabgängern stellt die ruandische Regierung vor große Aufgaben. Die bislang forcierte Ausbildung im Hochschulbereich wird nun zugunsten einer mehr handwerklichen sowie im Dienstleistungsbereich angesiedelten Ausbildung abgeschwächt.


Neben der grundsätzlichen Herausforderung, die eine hohe Geburtenrate an dieses rohstoffarme Land stellt, sind von großer Wichtigkeit.

  • Der laufende Unterhalt der bestehenden Schulen
  • Eine fachliche wie didaktische qualitativ gute Ausbildung der Lehrkräfte
  • Eine technisch wie didaktisch gute Ausgestattung der Schule
  • Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte
  • Eine adäquate Bezahlung der Lehrkräfte, um die Motivation zu erhöhen und ein Abwandern von guten Lehrern zu verhindern

 

 

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