Schulpartnerschaft EFG Bad Sobernheim und ES Kirinda: 25 Jahre mit beachtlicher Bilanz
Seit nunmehr 25 Jahren gibt es eine Schulpartnerschaft des Emanuel-Felke-Gymnasium (EFG) Bad Sobernheim und der Ecole Secondaire (ES) Kirinda. In diesem Beitrag von Karl Heil vom Oktober 2026 soll ein Blick auf diese so lange bestehende und ertragreiche Partnerschaft geworfen werden. Auf die Homepage des Ruanda-Komitees Bad Kreuznach und deren Beiträge zum Thema wird ausdrücklich verwiesen: www.ruanda-komitee.de
Seit der Gründung des Ruanda-Komitees Bad Kreuznach 1983 war klar, dass in den Beziehungen nach Ruanda die Schulen eine besondere Rolle spielen. Verbesserungen für Schülerinnen und Schüler haben positive Langzeitwirkungen. Schulbau, Ausstattung der Schulen, Schülerpatenschaften sind die Stichworte. So war es kein Zufall, dass beim ersten Besuch in Ruanda zum Jahreswechsel 1989/90 die Schuleinweihung der Primarschule Muhororo im Mittelpunkt stand (seit langem die Partnerschule der Hellbergschule Kirn) und der erste Besuch in Kirinda zur dortigen Krankenschwesternschule und dem benachbarten Krankenhaus führte.
Der Genozid 1994 in Ruanda veränderte alles. Auch dazu verweise ich auf die Beiträge auf der Homepage des Ruanda-Komitees. Unsere Kontakte wurden unterbrochen, die meisten Mitglieder des dortigen Partnerschaftskomitees waren tot, geflohen oder nicht mehr auffindbar. Nach meinem Besuch 1996 war klar: Neben der Nothilfe soll die Förderung in den Bereichen Schule und Frauen liegen. Wasserversorgungen, Schulbau und Landwirtschaft-Kooperativen für Frauen (Witwen) waren hier wichtige Punkte.
Seit 1991 Vorsitzender des Ruanda-Komitees e.V. Bad Kreuznach, war ich seit 1992 Leiter des Gymnasiums Sobernheim und 1996 einige Tage zu Besuch in Kirinda. Elend, Not und Armut in Kirinda zu dem Zeitpunkt sind heute kaum mehr vorstellbar. Mit dem späteren Schulleiter Mézack Gasinzira Ruhumbya entwickelten sich auch persönliche Kontakte, bis zu gegenseitigen Besuchen. Mézack wurde als Vorsitzender des Komitees von Murambi/Murundi mein Pendant im Partnerschaftskomitee, und seit 2000 war ich regelmäßig zu Besuch in Ruanda. Der direkte Kontakt ist einfach hilfreich zur gegenseitigen Information und der Abstimmung von Projekten, und die Rolle des Briefträgers zwischen dem guten Dutzend Partnerschulen in der Region Bad Kreuznach und den Sektoren Murambi/Murundi habe ich gerne gespielt.
Eine Schulpartnerschaft zu beginnen, war dann 2002 der Wunsch der Schülervertretung des EFG, den die Schulgemeinschaft insgesamt mittrug. Und seit 2003 ist das EFG mit vielfältigen Aktionen, meist im Rahmen der „Aktion Tagwerk“ für die Schule in Kirinda aktiv. Arbeiten gehen, Umweltaktionen, sportliche Aktivitäten, Benefizkonzerte, Flohmärkte, Sternmärsche, Informationstage und vieles andere mehr – es wurden Einnahmen erzielt, die in die Partnerschule fließen, und immer auch Informationen zur Situation in Kirinda und über die Verwendung der Erlöse aus den Aktionen gegeben. Oft wurde damit der Grundstein für größere Projekte gelegt, dessen Finanzierung vom Ruanda-Komitee, dem Land Rheinland-Pfalz, dem BMZ oder anderen Sponsoren ergänzt wurde.
In Kirinda ist die Palette dessen, wofür die Spenden eingesetzt wurden, sehr breit. Die Krankenschwesternschule wurde nach 2006 zu einer vollwertigen Sekundarschule ausgebaut, doch für den Unterricht fehlte es an vielem. Unterrichtsmaterial und Schulbücher, aber auch Lehrkräfte und Unterrichtsräume waren Mangelware. Die Schülerzahlen steigen stetig an, und als Internatsschule gibt es zudem das Problem der Unterkünfte und der Versorgung mit Lebensmitteln. In allen Bereichen wurden in den nächsten beiden Jahrzehnten wesentliche Fortschritte erzielt. Ein längeres Zitat aus einem Bericht von 2015 beschreibt die Lage:
„Die Schule liegt im ländlichen Raum, ca.35 km von einer asphaltierten Straße, und hat zurzeit (Schuljahr 2015) 392 Schüler, davon 251 Mädchen und 141 Jungen. Die Schule wird im Internatsbetrieb geführt. Die aus dem weiteren Umkreis, z.T. aus anderen Regionen des Landes kommenden Schülerinnen und Schüler sind außer in den Ferien immer in der Schule. Die Unterkünfte für einen Teil der Schülerinnen sind unzureichend. Sie sind außerhalb des Schulgeländes in kleinen Räumen untergebracht. Der Bau eines Schlafsaales auf dem Schulgelände verbessert die Lebenssituation der Schülerinnen und deren Sicherheit. Zudem profitiert die Schule von einer besseren Wasserversorgung.
Die Förderung von Mädchen auch an einer Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt hat für die soziale und gesellschaftliche Entwicklung in Ruanda nach dem Genozid von 1994 eine besondere Bedeutung. Das geplante Projekt fügt sich in darin ein und kann wie andere Projekte, die an dieser Schule realisiert werden, die Kenntnisse und Qualifikationen von Schülerinnen verbessern. Die E.S. Kirinda ist im nationalen Vergleich eine sehr gute Schule und, auch dank der langjährigen Zusammenarbeit mit dem EFG und dem Ruanda-Komitee e.V. Bad Kreuznach, gut ausgestattet. 2008 wurden eine Bibliothek, ein Computerraum und ein naturwissenschaftliches Labor gebaut und eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde eine „Papeterie“, eine Schülerfirma, eingerichtet, die Schreibwaren und einen Kopierer vorhält und von den Schülerinnen und Schülern eigenverantwortlich betrieben wird. Seit 2010 wird ein „Schulgarten“ mit modernen Bewirtschaftungsmethoden geführt. In beidem bringen sich gerade die Mädchen mit Interesse und Engagement ein. 2013 wurde ein neuer Sportplatz gebaut, den der ehemalige Schüler des EFG Jonas Götte, der drei Monate in Kirinda als Assistenzlehrer ehrenamtlich tätig war, einweihen konnte.“
Der Bau eines Schlafsaales für 98 Mädchen erfolgt 2016, ein Jahr später ein Computerraum, Klassenräume und ein Labor für den naturwissenschaftlichen Schwerpunkt werden gebaut und ausgestattet. Der Kontakt zwischen den Schulen war nicht auf die Schulleiter und Kollegien beschränkt. 2014 ist eine „Delegation“ des EFG in Kirinda, und die drei Schülerinnen Nadja Grübel, Franziska Kurz und Maria Euler waren begehrte Gesprächspartnerinnen. Horst Frahm, stellvertretender Schulleiter des EFG, war 2016 mit zu Besuch in Ruanda: Keine Einbahnstraße, wenn auch Besuche teuer und aufwendig sind. Mézack war mehrfach beim Komitee in Bad Kreuznach und auch im EFG.
Zum Schulsystem, der Entwicklung während und nach der Corona-Pandemie möge man auf der Homepage des Ruanda-Komitees nachlesen, z.B. zum letzten Bericht über die Partnerschaftsaktivitäten vom 26.10.2023. Jetzt ist wieder ein großes Projekt in Planung, ähnlich wie 2015-17: Der Bau und die Ausstattung eines Jungenschlafsaales für 120 Schüler, mit Duschen, Toiletten und Regenwasserzisternen. Darüber wird noch zu berichten sein.
Das Schulangebot wird von den beiden naturwissenschaftlichen Kombinationen (Mathematik/Chemie/Biologie und Physik/Chemie/Biologie) um die Einrichtung eines Ausbildungsganges Krankenpflege erweitert. Das Krankenhaus liegt nebenan, und man nimmt die Tradition wieder auf. Und Bedarf an gut ausgebildeten jungen Menschen gibt es allemal. Wenn unsere Schulpartnerschaft bisher einen Beitrag dazu leisten konnte, ist das eine tolle Sache. Die vielfältigen und dauerhaften Aktivitäten des Schulgemeinschaft des EFG können nicht oft genug gelobt werden.
Bild zur Meldung: Auch 2026 haben die Schülerinnen und Schüler des EFG wieder ihre „Aktion Tagwerk“ durchgeführt und mehr als 3.000 Euro erbracht. Das Bild zeigt die Schülervertretung des EFG und Schülerinnen der Klasse 6a (die eine Extra-Aktion gemacht hatten) bei der symbolischen Scheckübergabe an Karl Heil im EFG am 2. Oktober 2026.



